SEPA Ein Bankkonto für 31 Länder

sepa

Der Zahlungsverkehr wird europäischer. An diesem Montag startet der gemeinsame europäische Zahlungsverkehrsraum SEPA. Es handelt sich dabei um eine freiwillige Initiative der europäischen Banken, die von der EU und der Europäischen Zentralbank unterstützt wird.

Von Ralf Hübner-Bornemann

Bis 2011 darf eine Überweisung nach europäischem Standard nicht läner als drei Tage bis zum Empfänger laufen, auch im Inland. Nach alter Methode genügt im Inland ein Tag, innerhalb eines Verbundes, etwa der Sparkassen, wird noch am selben Tag gutgeschrieben. Aber die Branche versichert, langsamer als das bisherige nationale System werde es in der SEPA-Praxis nicht. Und im grenzüberschreitenden Verkehr komme eine SEPA-Überweisung schneller an als nach der bisherigen Methode: nicht nach sieben, sondern eben nach drei Tagen. Das Tempo „T plus 1“, also die Gutschrift am Folgetag, leistet SEPA erst von 2012 an.

Die Banken und Sparkassen wollen das alte Überweisungssystem, das auf Kontonummer und Bankleitzahl beruht, parallel weiter anbieten. Die Zukunft soll jedoch dem SEPA-Verfahren gelten.

Entscheidend, auch rechtlich, für die richtige Zustellung der Überweisung, sind unter SEPA nicht mehr der Name der Empfängers, sondern seine Kontoverbindung. Die wird in einer 22-stelligen Kennziffer ausgedrückt, der IBAN, dem Kürzel für International Bank Account Number. Sie ersetzt die Kontonummer.

Die bisherige Kontonummer ist aber in die letzten zehn Stellen der IBAN eingegangen. Statt der Bankleitzahl kommt BIC, der sogenannte Banc Identifier Code. Die eigene IBAN und der eigene BIC lassen sich jetzt schon in den allermeisten Fällen auf den Kontoauszügen ersehen. Die Daten des Geschäftspartners sollten auf seiner Rechnung stehen.

Den Vorteil des einheitlichen Überweisungsverkehrs werden zunächst wohl die haben, die viel mit dem Ausland zu tun haben. Das sind in erster Linie exportorientierte Unternehmen. Auch für Privatleute, die etwa eine Ferienimmobilie im Ausland besitzen und dort Grundsteuer und Strom zu bezahlen haben, ergeben sich Vorteile.

SEPA kurz erklärt:

SEPA-Überweisung (SEPA Credit Transfer):

Dieses neue Zahlungsverkehrsprodukt ohne Betragslimit wird bereits ab heute, Montag, neben den nationalen Lösungen zur Verfügung stehen. Es handelt sich dabei um ein vollautomatisiertes Zahlungsverkehrsinstrument für Inlands- und Auslandsüberweisungen in Euro im SEPA-Raum (27 EU-Länder sowie Liechtenstein, Norwegen, Island und die Schweiz). Die maximale Überweisungsdauer wird drei Tage, ab 2012 nur noch einen Tag betrage und das unabhängig davon, in welchem SEPA-Land der Empfänger sein Konto hat. Die existierenden Überweisungslösungen sollen sukzessive abgelöst werden.

SEPA-Einzugsverfahren (SEPA Dircet Debit):

Das neue, in allen Euro-Ländern einheitliche SEPA-Einzugsverfahren (SEPA-Lastschriftverfahren) wird flächendeckend voraussichtlich ab November 2009 zur Verfügung stehen und löst die bisher ausschließlich im Inland angebotenen Einzugsverfahren ab. Die Einspruchsfrist bei strittigen bzw. nicht autorisierten Einzügen wird von bisher in Österreich sechs auf europaweit ach Wochen verlängert. Voraussetzung für die Einführung des einheitlichen Einzugsverfahrens ist die Umsetzung der EU-Zahlungsverkehrsrichtlinie in all diesen Ländern.

SEPA-Zahlungsanweisung

Für die Auftragserteilung mit Beleg wird ab Mitte 2008 die SEPA-Zahlungsanweisung zur Verfügung stehen. Die bisherigen Zahlscheine, Erlagscheine und Euro-Standardüberweisungen werden nach und nach abgelöst. Die alten Überweisungsbelege können weiterhin verwendet werden.

SEPA-Kartenzahlungen (SEPA Cards Framework):

Bankkarten mit Zahlfunktion habe im Rahmen von SEPA einen großen Stellenwert. Bis spätestens 2010 muss der Grundsatz „Jede Karte an jedem Terminal“ umgesetzt sein. Flächendeckend wird der Standard mit Chip und PIN eingeführt. Das heißt, dass man mit seiner Bankkarte an jedem Geldautomaten der SEPA Länder Bargeld abheben kann.

Kommentar: Euro jetzt europäischer Überweisen

Von Matthias Bannert

Dieses Wirrwarr mit den Überweisungsscheinen. Aufpassen, dass man keine Zahlendreher oder falsche Namen einträgt. Und wie war das noch gleich mit den Auslandsüberweisungen?

Zumindest Letzteres wird in der EU nun endlich einfacher. Eine Nummer für alles, keine Namen mehr eintragen. Doch hier hat eine Zahlendreher fatale Folgen. Es wird nicht mehr, wie bisher, Name mit Nummer überprüft. Das Geld geht von nun an direkt auf das angegebene Konto. Das kann der richtige Empfänger sein, aber auch Herr van Meeternicht aus den Niederlanden.

Fazit: Es wurde wirklich Zeit für ein länderübergreifendes Überweisungssystem in Europa! Natürlich wird man sich erst Schritt für Schritt umgewöhnen. Aber gerade für die immer bedeutsamer werden internationale Transaktionen bietet das System klare Vorteile. Ein bisschen Vorsicht beim Eintragen der Kontonummern, aber die sollte bei Überweisungen ja sowieso schon dazu gehören.

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2 Responses to SEPA Ein Bankkonto für 31 Länder

  1. Tobias sagt:

    > Es wird nicht mehr, wie bisher, Name mit Nummer überprüft.

    Dafür enthält die IBAN eine Prüfzahl: Die beiden Ziffern nach dem Land (z.B. „DE“) ist die Prüfziffer; grob gesagt wird die IBAN wird in eine Nummer umgewandelt und durch 97 (Primzahl!) geteilt. Der Rest (das Modulo) ist dann die Prüfziffer.

    Somit kann findet man Vertipper schon beim Abschicken, was besser ist als bisher bei den Kontonummern, wo dann erst von der Zielbank fest stellt, daß man z.B. eine Ziffer in der Kontonummer vergessen hat.

  2. Anna sagt:

    Mich würde interessieren, welche Banken in diesem Verbund teilnehmen. Post evtl auch? und dann würde ich mir noch das Recht auf Debitkarten wünschen für alle Bürger, ohne die horrenden Abzockkosten für die Herstellung. Könnte mir vorstellen, dass das bei Hartz4 oder sonstiger Sozialhilfe weiterhin zu Diskriminierung und Ausgrenzung führt. Ebenso eine vereinfachte ID Karte europaweit, da zB ein Personal-Ausweis nur mit Wohnsitz in Deutschland ausgegeben wird. Wohnt man im Ausland, hat man automatisch die A-Karte, da dieser zur Kontoeröffnung unerlässlich ist und von niemand verlangt werden kann, dass er zum Zweck einen Perso zu erhalten, Rückwandern müsste. Die Lösung mit dem Reisepass ist schierer Unsinn, denn wer die EU nicht verlässt, braucht diesen Unsinn ja nicht !!!!!
    Fragen über Fragen, doch die Antworten stehen in den Sternen !!!

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